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Atelier Peggy Kleinert
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10.04.2009, Nürnberger Nachrichten

Galerie einer durch und durch karnevalisierten Menschheit

Ausstellung mit Arbeiten der Möhrendorferin Peggy Kleinert im Kunstverein — Kompositionen am Comic orientiert

Die in Möhrendorf ansässige Malerin Peggy Kleinert widmet sich der Darstellung von Menschen in ihrer Alltagswelt, Momentaufnahmen gestützt auf fotografische Vorlagen. Für die Bilder, die sie jetzt beim Kunstverein ausstellt, braucht sie keine Kamera. Sie sind Produkt einer in jedem Sinne ausufernden Fantasie.
 
„Maskameraderien“ nennt sie die Serie von Acrylskizzen auf Papier, und meint damit die Präsentation eines Volks von Maskierten, die aber auch Kameraden sind, nämlich bei allen Verwandlungen bis zur Kenntlichkeit vertraut. Das trifft für jedes Einzelwesen zu, das übrigens als „Maskameraderion“ bezeichnet wird und, wie das ihm artverwandte Chamäleon, ständig in neuen Erscheinungsformen auftritt.
Ursprüngliche Bestimmung
Kurz: Peggy Kleinert arbeitet an der Porträtgalerie einer durch und durch karnevalisierten Menschheit, die endlich zu ihrer ursprünglichen Bestimmung gefunden hat: sich dem mehr oder weniger groben Unfug zu widmen. Dass der ständige Verweis auf den Ernst des Lebens eben dieses Leben ruiniert, ist ja keine neue Einsicht. Schon vor 150 Jahren hat der Wiener Komödiendichter Eduard von Bauernfeld dringend empfohlen, „den ursprünglichen Hang zur Torheit, und so die rein menschliche Natur wieder zu erwecken.“
 
Selbstverständlich entgeht es Peggy Kleinert nicht, dass der Karneval der Masken auch Kritik an der Torheit übt. Die gründet auf der leidigen Tatsache, dass es neben der lebensspendenden Torheit auch eine zweite lebensfeindliche Torheit gibt, die selbst aus dem vorgeschobenen Ernst des Lebens resultiert. Zu der gehören vorzüglich die Torheiten der Politik, der Mode, der Kult von Lebensformen und ihrer Attribute. Die „Maskameraderien“ pointieren menschliche Haltungen, die sich in den aus überlieferten Sprichwörtern oder aktuellen Slogans entlehnten Bildtiteln spiegeln, ein Verfahren, das in den alten Bilderbögen praktiziert wurde. Peggy Kleinert orientiert sich mit ihrer harten Linienführung und den heftigen Farbkontrasten, die gleichwohl genau durchkomponiert sind, am Comic: hier wie dort Ausschnitte aus dem Maskenzug der „menschlichen Komödie“. Und die Behandlung der Farbe lässt auch erkennen, dass der Unterschied zu ihren „ernsthaften“ Alltagsportraits so groß gar nicht ist.
 
    Kurt Jauslin